- Die Mitschuld der Kirche am Leid der Tiere und an der Zerstörung der Natur
- Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei
- „Weltherrschaftsmentalität“ steht gegen „Schöpfungsverantwortung“
- Sicherung der Priestermacht durch Blutgesetze für Menschen und Tiere
- Die Propheten als schärfste Kritiker des blutigen Tieropferkultes
- Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus v. N. zur Natur und zu den Tieren
- Wissenschaften erschließen ernährungsphysiologische Wirkung der veg. Nahrung
- Unter Kaiser Konstantin: Kriegsdienst und Zwang zum Fleischessen für Urchristen
- Die Verketzerung und Verfolgung der Vegetarier im Mittelalter
- Herrschafts- und Nützlichkeitsdenken im Katechismus der kath. Kirche
- Aus Lusttötern werden Bewahrer der Schöpfung - Verdrehung einer Legende
- Große und Naturphilosophen und Denker in Vergangenheit und Gegenwart
- Die Lutherkirche und die Tiere
Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus von Nazareth zur Natur und zu den Tieren
Das Neue Testament enthält keine Belege und Beispiele einer Natur- und Tierliebe von Jesus, woraus die Theologen den Schluss zogen und ziehen, dass seine Lehre mit Tieren und der Natur nichts zu tun habe. Die Evangelien berichten von keinen derartigen Fakten. Anders sieht das der Fernsehjournalist Franz Alt in seinem Buch „Der ökologische Jesus“: „Jesus liebte die Tiere. Wie hätte er dieses Bild in Johannes 10,11 gebrauchen können: ‘Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe ‘. Wäre Jesus nicht ein aufmerksamer Beobachter von Natur und Mitwelt, Tieren und Pflanzen gewesen, er hätte nicht in den eindrucksvollen Bildern vom Hirten und vom Schaf, vom Sämann und Acker, von den Lilien des Feldes und den Vögeln des Himmels sprechen können. Wie treffend Jesus zwischen Tierliebe und Tiersentimentalität zu unterscheiden wusste, beweist er mit dieser Fragestellung an seine theologischen Kritiker in Matthäus 12, 9-14: „Wer ist unter euch, so er ein Schaf hat, das ihm am Sabbat in eine Grube fällt, der es nicht ergreife und aufhebe. Wieviel besser ist nun ein Mensch denn ein Schaf? Darum darf man wohl am Sabbat Gutes tun.“
Wir verfügen aber heute über eine stattliche Anzahl von Schriften, die nicht zu den sogenannten kanonischen Schriften der Kirche, sondern zu den sogenannten apokryphischen Schriften gezählt wird. Diese nichtkanonischen Evangelien und Abhandlungen sind einer von vielen Beweisen, dass die Kirche die echte evangelische Wahrheit ihren Gläubigen vorenthalten hat, denn erst heute werden sie von mutigen Verlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So wird die Tierliebe von Jesus in einer Geschichte von „Jesus und dem Kamel“ in der Schrift „Das Evangelium Jesu“ dokumentiert, eine apokryphe Schrift, die um 100 n. Chr. entstanden ist und vom englischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley 1902 durch eine intuitive Innenschau rekonstruiert wurde.
„Jesus zog nach Jerusalem und begegnete einem Kamel mit einer schweren Last Holz. Das Kamel konnte sie nicht den Berg hinaufschleppen, und der Treiber schlug es und misshandelte es grausam, aber er konnte das Tier nicht von der Stelle bringen. Und als Jesus es sah, sprach er zu ihm: ‘Warum schlägst du deinen Bruder?' Und der Mann erwiderte: ‘Ich wusste nicht, dass es mein Bruder ist. Ist es nicht ein Lasttier und dazu gemacht, mir zu dienen?’ Und Jesus sprach: ’Hat nicht derselbe Gott aus dem gleichen Stoff dieses Tier geschaffen und deine Kinder, die dir dienen, und habet ihr nicht denselben Atem beide von Gott empfangen?’ Und der Mann staunte über diese Rede. Er hörte auf, das Kamel zu schlagen und befreite es von einem Teil seiner Last. So schritt das Kamel den Berg hinan, und Jesus ging vor ihm und es blieb nicht mehr stehen bis ans Ende seiner Tagesreise. Das Kamel erkannte Jesus; denn es hatte die Liebe Gottes in ihm gefühlt. Und der Mann wollte mehr von der Lehre wissen, und Jesus lehrte ihn gerne, und er wurde sein Anhänger.“
In einer anderen Erzählung aus dieser Schrift, die auch in den sog. Petrusakten erscheint, sieht Jesus, wie ein Mann ein Pferd blutig schlägt. Jesus ruft darauf: „Weh euch, der Stumpfheit eures Herzend wegen hört ihr nicht, wie es klagt und schreit zu seinem himmlischen Schöpfer um Erbarmen und dreimal Wehe über den, gegen den es schreit und stöhnt in seiner Qual.“
Jesus zeigt hier keine Sentimentalität. Er wusste, was man heute längst in der Biologie weiß, dass Tiere hochsensitiv sind, menschenähnliche Emotionen zeigen wie Freude und Trauer und vor allem zum Leid fähig sind, was schon der Naturforscher Ch. Darwin erkannt hat. Auch deutet Jesus ein fundamentales kosmisches Gesetz an, nämlich das Gesetz von „Saat und Ernte“, wie es Paulus ausdrückt. Mit anderen Worten: Wer Leid sät, wird Leid ernten. Das ist ein klarer Hinweis auf die Lehre der Inkarnation, die Jesus verkündete - und die die Kirche einst auf dem Konzil von Konstantinopl 553 verdammt und aus der Bibel gestrichen hat. Auf das Verhältnis des Menschen zu den Tieren bezogen, bedeutet das: Wer Tieren Gewalt antut, wird, irgendwann, diese Gewalt schmerzhaft an sich zu spüren bekommen, vielleicht erst in einem weiteren Erdengang.
Wie ethisch hoch der Mord an Tieren von den Propheten des Alten Testaments eingeordnet wird, besagt eine Zitat Jesajas in Jesaja 66,3: “Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt.“ Zwischen Mensch und Tier besteht bei dieser ethischen Weltsicht wertmäßíg kein Unterschied. Beide sind Lebewesen eines Schöpfergottes und haben den gleichen Atem von ihm erhalten.
Das Tieropfer verwarf Jesus genauso wie die Propheten vor ihm. Aus Matthäus 9,13 entnehmen wir folgende Szene: Als Jesus mit Zöllnern und Sündern speiste und von den Pharisäern deswegen kritisiert wurde, zitierte er den Propheten Hosea: „Barmherzigkeit will ich (Gott), nicht Opfer.“
Desweiteren kritisiert er den Opfertiereverkauf im Tempel in Markus 11,17 „Seht nicht geschrieben: mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!“
Die berühmte Tempelreinigung von Jesus galt genauso den Opfertierhändlern wie den Almosen-und Ritualgeldeintreibern. Mit diesem Jesus als Gewalttat angelasteten Kraftakt schenkte er den Tieren die Freiheit und setzte eine gleichzeitig ein deutliches Zeichen gegen den Missbrauch des Tempels für Geldgeschäfte.

Jesus reinigt den Tempel von Jerusalem: Der als Markthalle missbrauchte Tempel steht als Symbol für eine zum reinen Geschäft verkommene Religion, in der man sich das Seelenheil mit Geld erkaufen konnte. Jesus befreite aber auch die eingesperrten Tiere, die zum Tieropfer bereitstanden. Damit demonstrierte er seine Absage an die Tradition des Tieropferkults und sein Eintreten für das Lebensrecht der Tiere als Mitgeschöpfe der Menschen. Die Tierliebe des Jesus, bisher von der Kirche verschwiegen und geheimgehalten, ist dokumentiert in den apokryphen Schriften, die heute weitgehend veröffentlicht sind.
Jesus – ein Vegetarier?
Das Eintreten des Jesus für Natur und Tiere lässt auch darauf schließen, dass er sich fleischlos ernährt haben muss. In den Evangelien haben wir darüber keine Belege, was Jesu wirklich gegessen hat. Auch dass er am letzten Abendmahl ein Osterlamm gegessen haben soll, ist eine Legende, denn in den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas steht zwar etwas vom Passahmahl, jedoch nichts von einem Lamm, statt dessen spielt das Brotbrechen eine besondere Rolle als Symbol der Teilung von Nahrung unter Brüdern. Doch einige Hinweise im Schrifttum der Spätantike lassen aufmerken: Der Kirchenvater Hieronymus, der im Jahre 370 von Papst Damasius mit der Übersetzung der damals vorliegenden Bibeltexte ins Lateinische und zu einer Edition einer Einheitsschrift, der späteren Vulgata, beauftragt worden war, äußerte sich in einen Brief an den Kollegen Jovianum folgendermaßen: „Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt, aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen.“ Und an anderer Stelle im selben Brief heißt es: „Und so sage ich zu euch: Wenn ihr vollkommen sein wollt, dann ist es förderlich ..., kein Fleisch zu essen.“
Hieronymus bezieht sich hier klar auf das im zweiten Schöpfungsbericht enthaltene Zitat, das den Menschen auffordert, alles was lebt und sich regt zu essen. Man muss annehmen, dass er auch das Zitat des ersten Berichtes kannte, in dem von Fleischnahrung keine Rede ist. Dass er trotzdem in seiner neuen Zusammenstellung der Bibel den Aspekt Jesus als Tierliebhaber und Vegetarier unterschlug bez. bereits gefälschte Unterlagen einfach übernahm, lässt vermuten, dass der Vegetarismus im Allgemeinen und der des Jesus im Besonderen den Mächtigen der katholischen Kirche ein besonders schmerzhafter Dorn im Auge gewesen sein muss und dass er aus bestimmten Gründen, über die noch zu reden sein wird, keineswegs in die Bibel aufgenommen werden durfte. Hieronymus, selbst Vegetarier und Alkoholabstinenzler, wurde deswegen sogar aus Rom vertrieben.
Einen weiteren Hinweis für die Vegetarismus des Jesus haben wir wiederum von Hieronymus, und zwar aus einer der von ihm genutzten Quellen, dem geheimen Ebioniter- oder Hebräerevangelium. Die Nazaräer und späteren Ebioniten waren jüdische Christen, die vier Jahrhunderte lang das von Jesus vorgelebte originäre Christentum lebten, also echte Urchristen. Ihr Evangelium enthielt die authentischen Lehren des Jesus an seine Jünger, und zwar in verschlüsselter Form geschrieben, daher nur von wenigen Eingeweihten lesbar. Der Experte für Vegetarismusforschung, Carsten-Strehlow, weist in seinem Buch „Vegetarismus/Veganismus als Bestandteil des Christentums“ auf Plinius hin, der in einem Brief an den Kaiser Trajan den Vegetarismus/Veganismus bei den Ebionitern bestätigt. Hieronymus' muss dieses Evangelium vorgelegen haben, denn er erwähnt es in einem Brief an die Bischöfe Chromatis und Heliodorus.
Wohl übersetzte der Kirchenvater dieses geheime Hebräerevangelium, weigerte sich aber, die darin enthaltenen Erkenntnisse und Fakten, ja die komplette Schrift als echtes authentisches Evangelium zu übernehmen, denn er erkannte darin die Veränderungen, Verfälschungen und Irrtümer, die sich bereits in die anderen Evangelien eingeschlichen hatten. Auf diese hatte aber die frühe Kirche schon ihr Traditions- und Dogmengebäude aufgebaut, dessen Einsturz die echten jesuanischen Lehren sicher bewirkt hätten. So blieb Hieronymus nichts anderes übrig, als das geheime Evangelium für häretisch zu erklären. Wahrscheinlich wäre er, wenn er sich dazu bekannt hätte, selbst zum Häretiker erklärt worden.
Nur Bruchstücke sind heute überliefert oder werden von anderen Kirchenvätern zitiert, die offenbar das Buch kannten, z.B. von Epiphanius, dem kirchlichen Sektenbeauftragten um 350 in seiner „Panarion omnium haeresium“ 30,22,4 („Arzneikasten gegen alle Haeresien“). Der Religionswissenschaftler C.A. Skriver nennt folgendes Jesuszitat in seinem Buch „Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen“ aus dem Ebionäerevangelium zum Thema Tierliebe des Jesus: „Ich bin gekommen, die Opfer abzuschaffen, und wenn ihr nicht ablasst zu opfern, wird der Zorn von euch nicht ablassen.“
Über die moralischen Folgen belehrte Jesus die Menschen, wie ein Zitat im „Friedensevangelium“ der Essener, das im Vatikan unter Verschluss gehalten wird, zu finden ist und in das der ungarische Forscher Edmond B. Sze´kely Einblick haben durfte. Danach lehrte Jesus „Und das Fleisch geschlachteter Tiere in seinem Körper wird sein eigenes Grab werden. Der, der tötet, tötet sich selbst, und wer vom Fleisch erschlagener Tiere isst, isst vom Körper des Todes.“
Denkbar ist, dass dies auch als ein Hinweis auf die bedenklichen Gesundheitsschäden gelten kann, die ein dauernder Fleischkonsum nachgewiesener Maßen u. a. wegen der extrem hohen Ansammlung mit aggressiven Säuren und Toxinen des anverwesten Fleischeiweißes im Organismus verursacht. Dazu passt jedenfalls das Zitat von Jesus aus dem bereits genannten „Friedensevangelium“ der Essener: „Das Fleisch geschlachteter Tiere in seinem Körper wird sein (des Menschen) eigenes Grab werden.“
Die Belege deuten allesamt daraufhin, dass Jesus aus Liebe zu den Tieren kein Fleisch gegessen hat und wegen das Passahlammes weder aus kultischen Gründen noch aus Genusssucht seiner Liebe sicher nicht untreu geworden ist. Auch die Tatsache, dass auf Nichteinhalten des Kultes die Todesstrafe bestand, wird den Mann, der die Kulte der Priester so heftig bekämpfte, weil sie den Menschen den Weg zu Gott versperren, nicht abgeschreckt haben. Der Passahopferkult stammt aus der Zeit, als das Volkes Israel in Ägypten in Knechtschaft verfallen war, und wurde zur Erinnerung alljährlich gefeiert. Laut Bibel bestrafte Gott die Ägypter mit Tod des jeweils erstgeborenen Sohnes, verschonte jedoch das Volk Israel davor, wenn sie ein Lämmchen als Blutopfer für Gott schlachteten und ihre Türpfosten mit dem Blut bespritzten.
Wir haben hier übrigens einen ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass der ganze Tieropferkult der alten Israeliten sehr stark von dem der Ägypter beinflusst, ja direkt kopiert worden ist, wie ein Vergleich von israelitischen mit ägyptischen Opferabläufen ergibt. Dass diese nicht aus der Feder des Mose stammen konnten, beweist folgendes Zitat des Propheten Jeremia, der das ganze Passahopfergebot als Lüge der Priesterautoren in Jeremia 7,22 entlarvte: „Ich aber habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägypten führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern.“
Die nun genannten Beispiele moderner Bibelforschung besagen einmal mehr, dass die Bibel als Grundlage des Christentum keineswegs glaubwürdig ist, schon gar nicht „von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen“ worden ist, wie die dogmatische Lehrentscheidung 1869/70 des 1. Vatikanischen Konzils lautet. Vielmehr ist die Bibel offensichtlich nicht nur gefälscht, manipuliert und entstellt durch die nicht mehr zählbaren Abschriften, sondern man kann auch davon ausgehen, dass den Menschen essentielle Wahrheiten wie die einer kosmischen Lebensgemeinschaft von Mensch, Natur und Tieren verschwiegen werden sollten. Eine neue Epoche der Aufklärung tut hier not – ja, sie ist schon zu Gange.
Der ökologische Jesus und seine spirituelle Ökologie
Unser Wissen von Jesus heute zwingt zu einer Revision des traditionellen Jesusbildes, das die Kirche seit zwei Jahrtausenden vor sich herträgt. Franz Alt, der Autor des Buches „Der ökologische Jesus“, spricht von der „positiven Anthropologie“ des Jesus von Nazareth. Jesus brachte den Menschen das Bild Gottes als das eines liebenden Vaters, das Aktivität, Vertrauen und Hoffnung stiftet, während hingegen die Kirche das Bild eines strafenden, rächenden und beleidigten Gottes lehrt, das den Menschen Angst macht, ihre Kräfte lähmt, weil seine Sünden ihn niederdrücken. Diese „negative Anthropologie“ der Kirche überwinden wir, wenn wir die ökologischen Bilder und Gleichnisse Jesu als eine umfassende Liebe zu den Menschen, den Tieren, zur Natur und zum Kosmos auffassen lernen. Die rein anthropozentrische Sichtweise der Kirche muss ersetzt werden durch eine kosmische Sichtweise eines neuen „ökologischen Jesus“: „In einer Zeit der globalen ökologischen Bedrohung brauchen wir eine universelle spirituelle Ökologie. Nur der Abschied von finsteren Gottes-und Menschenbildern kann zu seelischem Wachstum und zu einer spirituellen Entfaltung führen“, schreibt der Autor.

Die Kirche sieht Jesus immer noch als Sündenprediger. Seine Gleichnisse hingegen erzählen von den Menschen, der Natur und den Tieren gleichermaßen. Und über allem steht ein gütiger Vater, der alle eine Geschöpfe liebt. Der Journalist Franz Alt spricht von einem „ökologischen Jesus“, der auch einen Weg aus der größten Krise in der Menschheitsgeschichte weist: Liebe.