- Die Mitschuld der Kirche am Leid der Tiere und an der Zerstörung der Natur
- Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei
- „Weltherrschaftsmentalität“ steht gegen „Schöpfungsverantwortung“
- Sicherung der Priestermacht durch Blutgesetze für Menschen und Tiere
- Die Propheten als schärfste Kritiker des blutigen Tieropferkultes
- Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus v. N. zur Natur und zu den Tieren
- Wissenschaften erschließen ernährungsphysiologische Wirkung der veg. Nahrung
- Unter Kaiser Konstantin: Kriegsdienst und Zwang zum Fleischessen für Urchristen
- Die Verketzerung und Verfolgung der Vegetarier im Mittelalter
- Herrschafts- und Nützlichkeitsdenken im Katechismus der kath. Kirche
- Aus Lusttötern werden Bewahrer der Schöpfung - Verdrehung einer Legende
- Große und Naturphilosophen und Denker in Vergangenheit und Gegenwart
- Die Lutherkirche und die Tiere
Sicherung der Priestermacht durch Sündendenken und Blutgesetze für Menschen und Tiere
Die israelitische Priesterschaft zur Zeit der Abfassung des Schöpfungsberichtes im 5. Jh. hatte gute Gründe, das Pflanzennahrungsangebot ihres Gottes auszuschlagen. Die Vokabeln des Zitattextes „Furcht und Schrecken“ im zweiten Schöpfungsbericht spiegeln die psychologischen Instrumente der Macht der Priester in der altisraelitischen Gesellschaft wider, auf die sich ihre Herrschaft stützte. Die Priester verstanden sich als auserwählte Ebenbilder Gottes, denen nicht nur die Tiere untertan waren, auch ihren Mitmenschen fühlten sie sich wegen ihrer angeblichen Gottnähe überlegen. Die Priester vermittelten zwischen den Göttern und den Menschen, waren Richter und Volksführer in einem. Gleichzeitig standen sie unter dem Druck der Furcht vor den Göttern und später vor einem unbarmherzigen, strafenden, beleidigten, rachsüchtigen und patriarchalisch gestimmten Gott, dem Gott des Alten Testaments. Aus diesem Grund verfassten sie Gesetze, verurteilten, straften, um nicht selbst dessen Gericht und Verfluchung zu verfallen.
Auch kann mit dem angeführten Zitat hervorragend demonstriert werden, wie das Gottes- und Menschenbild der Priesterautoren beschaffen ist: Ein unheimlicher, monströser Gott, der mit absurder Willkür Leben gibt und wieder nimmt, bietet seinen höchsten Geschöpfen, den Menschen, die niederen Mitgeschöpfe, die Tiere, zur Speise an, und darüberhinaus dürfen die Menschen die Tiere auch so behandeln, wie es ihnen gefällt („in eure Hände seien sie gegeben“), also auch misshandeln. Denn sonst erführen diese nicht „Furcht und Schrecken“.
Im alten Israel verkörperte ein Missetäter das Böse schlechthin, und in schweren Fällen musste es radikal ausgelöscht werden; das Böse musste vom Volke Israel genommen werden, heißt es im AT („....und das Böse von ihr tun“), denn nur der Tod des Täters versöhnte das Volk mit den Göttern. Die Verhängung der Todesstrafe war dann obligatorisch.
Zum Ausdruck kommt das im nicht zufällig an dieser Stelle stehenden Anschlusszitat: „Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden“. Seit Entstehung des homo erectus in Urzeiten, schon mit einem Quantum Intelligenz ausgerüstet, beherrscht dieses genetisch eingravierte verhaltensbiologische Tötungsprogramm aus Rachemotiven die Menschen – die Tierwelt kennt keine Rache! - und ist in den archaischen Gesellschaften und in einigen Kulturen des Altertums zum Gesetz geworden. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ heißt es im Codex Hammurapi, der ältesten vollständigen Gesetzgebung der des Königs von Babylon um 1760 vor Chr., und diese hat auch Eingang in die altisraelitischen Gesellschaft und Religion gefunden.
Somit wird die unerhörte Grausamkeit der altisraelitischen Gebote und Gesetze verständlich. Dass aber auch durch die permanente Bedrohung mit Blutgesetzen und dem Vollzug der Todesstrafe bei geringen Vergehen wie Ehebruch der Frau, (Männer wurden in den orientalischen Rechtsprechungen geschont), Ungehorsam des Sohnes gegenüber dem Vater, Ungehorsam gegenüber Priestern und vielen anderen das Volk leichter lenkbar und beherrschbar ist, ist eine weitere Konsequenz des Sündendenkens und dessen Handhabung durch Gesetze.
Auch gegenüber der Tierwelt demonstrierten die Priester ihre Macht, was in dem Text: „Auch will ich eures Leibes Blut rächen und will's an allen Tieren rächen....“ zum Ausdruck kommt. Das Rachegesetz wurde demnach auch an Tieren vollzogen, wie dieses Zitat in 2 Moses 21,28 aussagt: „Wenn ein Ochse einen Mann oder ein Weib stößt, so soll man den Ochsen steinigen.“
Die Magie der Blutmystik faszinierte Menschen und besänftigte Götter – dafür mussten Tiere sterben
Der blutige Tieropferkult wird wohl schon in der Frühzeit des Menschen, etwa bei seiner Sesshaftwerdung, entstanden sein. Der Gedanke, dass man den Göttern opfert, setzt voraus, dass es einen differenzierten Götterpantheon gegeben haben muss, in dem Gottheiten existierten, die den verschiedenen Naturbereichen, aber auch menschlichen Lebensbereichen z.B. Landwirtschaft, Krieg, Frieden und Fruchtbarkeit zugeordnet waren. Dabei hatte das blutige Tieropfer herausragende Bedeutung.
Wie ausgefeilt die kultischen Handlungen gewesen waren, wieviel verschiedene Spezialopfer es gab, aber auch wie grausam das Kulthandwerk ausgeführt wurde, lesen wir seitenlang im Alten Testament. Hier nur ein Beispiel aus 5 Mose, 10 ff: „Wenn’s nun geschieht, dass er sich an einem verschuldet (schuldig wird) und bekennt, dass er daran gesündigt hat, so soll er für seine Schuld dieser seine Sünde, die er getan hat, dem Herrn bringen von der Herde eine Schaf- oder Ziegenmutter zum Sündopfer, so soll ihm der Priester seine Sünde versöhnen. Vermag er aber nicht ein Schaf, so bringe er dem Herrn für seine Schuld, die er getan hat, zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben, die erste zum Sündopfer, die andere zum Brandopfer, und bringe sie dem Priester. Der soll die erste zum Sündopfer machen und ihr den Kopf abkneipen hinter dem Genick, und nicht abbrechen und sprengen mit dem Blut des Sündopfers an die Seite des Altars, und lasse das übrige Blut ausbluten an des Altars Boden. Das ist das Sündopfer.“
Die Blutmagie und Blutmystik hat die Menschen schon immer fasziniert. Blut hat nach uraltem Glauben reinigende Kraft. Der Priester war der Magier, der über diese Reinigungskraft verfügte, indem er es mit seiner von den Göttern erbetenen Kraft auflud. Er konnte die Opfernden mit den Göttern in Kontakt bringen und brachte den versöhnenden Pakt der Götter mit den Menschen zustande. Das Blutopfer besonders, aber auch die unblutigen Opfer banden die Menschen an die Priester, machten sie hörig, und umgekehrt verlieh es diesen die Macht der Beeinflussung und der Beherrschung. In solchen archaischen Kulttraditionen verharrten die altisraelitischen Priester wohl jahrtausendelang.
Dass in ganz frühen kaanitischen Zeiten auch Menschenopfer verbreitet waren, die die jüdischen Priester sogar übernommen und gepflegt hatten, trotz des Monotheismus, des Eingottglaubens, trotz Mose und der Zehn Gebote, dass erst Salomon systematisch das Menschenopfer auszurotten versuchte, wird durch die Bibel belegt. So ist die Szene von Isaaks Beinahe-Opferung als symbolisches Zeugnis vom Übergang vom Menschenopfer zum Tieropfer zu deuten.

Isaaks Beinahe-Opferung ist symbolisch der Übergang vom Menschenopfer zum Tieropfer in der kaanitischer Zeit des Volkes Israel.
Aus all dem erscheint es plausibel, dass die Priester niemals ihren Gläubigen die Fleischnahrung verbieten und stattdessen rein pflanzliche Nahrung hätten anbieten wollen. Das Opferspektakel und seine suggestive Wirkung auf die Masse der Gläubigen brachte ihnen genau das Prestige, das sie zu ihrem Amt brauchten. Ohne dieses wären sie machtlos und letztlich überflüssig gewesen.
Das Opfer als rituell-dramatisiertes Spektakel, war die auch die einfachste und müheloseste Art, vor den Göttern eigene Schuld loszuwerden, sie gnädig zu stimmen und ihr Wohlwollen zu erlangen. Eigene Anstrengung, Einsicht in die böse Tat und Bekenntnis zur Schuld, unmoralische Eigenschaften aufgeben, diese zu „opfern“, zu verzeihen, wieder gut zu machen, sich zu ändern, alle diese Instrumente der Versöhnung und der Schuldbefreiung, waren nicht nötig. Das Tier, das „beste Stück“ in der Herde, aber auch Speisen, Früchte etc. reichten zur Lossprechung aus – ein typisches Phänomen von Religionssystemen: Psychologisch und sozial sinnvolles Denken und Handeln wird durch ein mechanisches, aller logischen Realität entkleidetes Ritual ersetzt. Als Ersatzopfer muss das Tier herhalten.

Das Tieropfer sollte die Menschen mit Gott versöhnen: Besonders scharf verurteilten die Propheten diesen blutigen Kult, denn ihr Gottesbild war ein anderes als das der Priester. Sie kündeten wie Moses von einem Gott der Gewaltlosigkeit gegen Menschen und Tiere, einen Gott der Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
Das Sündenbockritual und die Sündenbock-Mentalität der Menschen
Ähnlich dem Tieropferkult gestaltete sich auch das Sündebockritual, das in 3 Mose, 16, 8-21 beschrieben wird. Am Jom Kippur, dem Tag der Sündenvergebung im alten Judentum, machte der Hohe Priester die Sünden des Volkes Israel bekannt und übertrug sie durch Handauflegen symbolisch auf einen Ziegenbock. Mit dem Vertreiben des Bocks in die Wüste wurden diese Sünden symbolisch aus den Menschen gejagt:
„Für (Aron) soll er die zwei Böcke nehmen und vor den Herrn stellen vor der Tür der Hütte des Stifts, und soll das Los werfen über die zwei Böcke: ein Los dem Herrn und das andere dem Asasel. Und soll den Bock, auf welchen das Los fällt, opfern zum Sündopfer. Aber den Bock, auf welchen das Los von Asasel fällt, soll er lebendig vor den Herrn stellen, das er über ihm versöhne, und lasse den Bock für Asasel in die Wüste.“
Der Sündenbock wird dem Asasel geopfert, indem er in die Wüste gejagt wird, und der andere Bock fällt an Gott, wobei letzterer es sichtlich besser hatte, weil er Chancen hatte zu überleben, während ersterer sterben musste. Hinter Asasel verbirgt sich eine Art Satan, dem Verursacher der Verderbnis auf der Welt. Ähnlich wie das Töten aus Rache hat sich die Sündenbockmentalität der Menschen in die Gehirne und wahrscheinlich auch in die Gene eingraviert. Seine Ritualisierung hat dieses Denken nur noch gefördert, und Tiere mussten herhalten und ihr Leben opfern für diese im Grunde feige Denkungsart der Menschen, die für ihre Handlungen nicht die Verantwortung übernehmen wollten. Gott hat aber laut Schöpfungsbericht 1 Mose 27 den „mündigen Menschen“ geschaffen: „Und Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ Der Mensch ein Ebenbild eines unmündigen Gottes?