- Die Mitschuld der Kirche am Leid der Tiere und an der Zerstörung der Natur
- Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei
- „Weltherrschaftsmentalität“ steht gegen „Schöpfungsverantwortung“
- Sicherung der Priestermacht durch Blutgesetze für Menschen und Tiere
- Die Propheten als schärfste Kritiker des blutigen Tieropferkultes
- Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus v. N. zur Natur und zu den Tieren
- Wissenschaften erschließen ernährungsphysiologische Wirkung der veg. Nahrung
- Unter Kaiser Konstantin: Kriegsdienst und Zwang zum Fleischessen für Urchristen
- Die Verketzerung und Verfolgung der Vegetarier im Mittelalter
- Herrschafts- und Nützlichkeitsdenken im Katechismus der kath. Kirche
- Aus Lusttötern werden Bewahrer der Schöpfung - Verdrehung einer Legende
- Große und Naturphilosophen und Denker in Vergangenheit und Gegenwart
- Die Lutherkirche und die Tiere
Die Lutherkirche und die Tiere: Quälen von Tieren ja, aber mit „Scheu“, „Zurückhaltung“ und „Sorgfaltung“; Töten ja, aber nicht morden
Luther gilt fälschlicherweise immer noch als der große Reformator. Seine Gewaltdrohungen gegen Bauern, „Hexen“ und Juden sind alles andere als im Sinne der Bergpredigt Jesu. Zum Leid der Tiere wusste er nichts zu sagen. Er führte das traditionelle Herren- und Herrschaftsbild des Menschen weiter, baute eine neue Machtkirche mit neuem Namen auf und pflegte bei seinen Mahlzeiten, wie es die adligen Kreise eben taten, in denen er oft verkehrte, reichlich Fleisch zu verzehren.
Hingegen im evangelischen Katechismus ist etwas über die Tiere ausgesagt: „Am Tier erscheint uns doch gerade die Profanität, die tabufreie Ungehemmtheit gegenüber Zeugung, Geburt und Tod als das Unmenschlichste und Wesensfremdeste. Mit dem Schamgefühl und mit den Bestattungsriten beginnt doch überhaupt erst die Geschichte des Menschen. Kein Tier verhüllt seine Genitalien, keines verehrt und begräbt seine Toten.“ Zu dieser seltsamen Beurteilung und Unterscheidung zwischen Mensch und Tier, dass nämlich den Menschen die Verhüllung der Genitalien und vor allem die Bestattungsriten ausmachen, kommt man dank der schlauen Überlegungen der Theologen der evangelischen Kirche.
In der „Kirchlichen Dogmatik, Band 3, „Die Lehre von der Schöpfung“ 1957 ist dann von dem Theologen Karl Barth noch eine deutlichere Anweisung, wie der Mensch mit Tieren umgehen soll, zu finden: “Morden darf der Mensch auch das Tier nicht. Er kann es nur töten ... Tiertötung ist im Gehorsam nur möglich als ein im Tiefsten ehrerbietiger Akt der Buße, der Danksagung, des Lobpreises des begnadigten Sünders gegenüber dem, der der Schöpfer und der Herr des Menschen und des Tieres ist. Tiertötung ist, wenn mit der Erlaubnis und unter dem Gebot Gottes vollzogen, ein priesterlicher Akt von eschatologischem Charakter ... Ein guter Jäger, ein ehrsamer Metzger, eine gewissenhafter Vivisektor werden sich darin von den üblen unterscheiden, dass sie - mit der Tötung des Tieres beschäftigt – dieses Seufzen und Schreien der Kreatur hören, dass sie also im Vergleich mit allen anderen, die mit dem Tier zu tun haben, zu einer erhöhten, verschärften, vertieften Scheu, Zurückhaltung und Sorgfaltung aufgerufen sind.“
Da muss man sich schon fragen, ob das Tier etwas davon hat, wenn der Vivisektor es mit „Scheu“, „Zurückhaltung“ und „Sorgfaltung“ quält.
Die unlogische und widersprüchliche Unterscheidung zwischen Töten und Morden bei Tieren gilt auch für den Menschen und ist ein Meisterstück raffinierter theologischer Auslegungskunst - mit entsprechend verhängnisvollen Folgen in der Praxis. Das eindeutige Gebot „Du sollst nicht töten“ wurde aufgespalten in zwei Tatvorgänge: töten und morden. Für Mord gibt es keine Rechtfertigung, weil es eine besonders verwerfliche Art des Tötens ist. Für das Töten hat aber das staatliche Recht zahlreiche Rechtfertigungen gefunden: Krieg, Liquidierung von Gewaltverbrechern (der sog. Finalschuss), Todesstrafe etc., die von der Kirche in ihrem Glaubenskodex Katechismus voll mitgetragen werden. Auf jeden Fall behält sich die Kirche einen Rechtfertigungsgrund für sich, und wenn es angebracht ist einen auch für den Staat vor, sollte der Fall der Fälle eintreten, dass aus einem Mord ein gerechtfertigtes Töten gemacht werden müsste.
Die zynische Schlussfolgerung ist, auf den derzeitigen Afghanistankrieg angewendet: Die getöteten Soldaten in diesem Krieg sind demnach moralisch ebenso gerechtfertigt wie die jährlich weltweit 45 Milliarden getöteten rsp. ermordeten Tiere für den menschlichen Verzehr und die 8 Millionen ermordeten resp. getöteten Tiere für wissenschaftliche Versuche.
Eine echt christlich-ökologische Denkweise der Kirche ist nicht in Sicht, aber die Kirchen sind inzwischen auf den fahrenden Öko-Zug aufgesprungen
Im 19. Jh. traten im Zuge der industriellen Revolution Technik und Industrie ihren „Siegeszug“ an und die Natur wurde Opfer eines gigantischen „Raub- und Mordfeldzuges“, der bis heute ungebremst anhält. Der Mensch befindet sich in einer Art Kriegszustand mit der Natur. Dem „Feind“ Natur legt er Zwänge auf und Fesseln an, beutet ihn aus, entkleidet, zerstört, vergiftet, entstellt, verkrüppelt, entwertet, entwürdigt und demütigt ihn – das alles um sich seiner Habe zu bereichern und sein Eroberertum und Herrschertum auszuleben.
Das Fatale ist, dass diese Zerstörungszivilisation von vom Christentum geprägten Ländern ausging, in denen eine pseudochristliche Kirche den Anspruch erhob und erhebt, Gott auf Erden zu vertreten, seinen Willen zu erfüllen und zur moralischen Führung der Menschheit von ihm beauftragt worden zu sein. Der Herrschaftsanspruch „Macht euch die Erde untertan“ ist Teil dieses Denkschemas der Kirche: alles zur Ehre Gottes, dessen Ebenbilder die Menschen und deshalb, wie der Schöpfer selbst, Herren über Leben und Tod sind.
So wurde und wird heute investiert in Reichtum, Besitz, Kapital und politische Macht. Es ist bekannt, dass beide Kirchen, in weit größerem Umfang aber der Vatikan, über Banken und Investmentfonds verfügen und damit an Aktien und Kapitalbeteiligungen von großen Unternehmen beteiligt sind. Der Riesenanteil an Investitionen fließt in die Industrie wie Chemie, Autoproduktion, Erdölindustrie, Energieunternehmen, Metallbau, sogar in die Rüstungsindustrie und in die konventionelle Nahrungsmittelproduktion, alles Unternehmen, die bekanntlich nicht nach ökologischen Vorgaben produzieren, sondern die Hauptverantwortlichen für die Umweltschäden sind. Desweiteren betreibt die Kirche auch zahlreiche Agrarbetriebe, die umweltschädigend arbeiten, unterhält sogar Forschungsinstitute, die sich mit dem Einsatz von Gentechnologie in der Agrarwirtschaft befassen, wie z.B. die Biopark GmbH des Bistums Magdeburg.
Auf eines kann die Kirche stolz sein: die Orden und ihre Klöster haben die Ethik zur Natur mit ihrer Pionierarbeit des naturgemäßen Siedelns, der Feld- und Gartenkultur, der Pflanzen- und Tierzüchtung weitgehend verwirklicht. Erfreulich ist, dass es hier jetzt auch schon schon erste ökologisch arbeitende Projekte der Kirche gibt.
Mit der ökologischen Volksbewegung und der von ihr in Gang gebrachten ökologischen Politik, mit dem Klimawandel, den sich steigernden Natur- und Umweltkatastrophen und den Perversionen in der Massentierhaltung, der Jagd und den Tierversuchen konfrontiert, ist die Kirche heute zur Stellungnahme herausgefordert. Seit den achtziger Jahren ist nun die Kirche auf den Öko-Zug aufgesprungen und hat, wie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn es formulierte, die „Schöpfungsverantwortung“ des Menschen endlich erkannt. Katholische wie evangelische Kirche wetteifern bereits mit Encyklikas und Diskussionsbeiträgen, mit Aktionen, Umweltmanagementprojekten und den verschiedensten lokalen Bio-Kleinprojekten.
Als beachtlicher Schritt hin zu einem neuen Naturverständnis von Seiten der katholischen Kirche sei die Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. 2009 genannt. Hier wird von einer „Verantwortung der Kirche für die Schöpfung“ gesprochen. Diese Verantwortung muss „öffentlich geltend gemacht werden“. Erde, Wasser, Luft müssten als „Gaben der Schöpfung, die allen gehören, verteidigt werden“. Der „Mensch muss muss vor seiner Selbstzerstörung geschützt werden“. Es muss eine „richtig verstandene Ökologie des Menschen“ geben, eine „Humanökologie“, davon würde auch die „Umweltökologie“ profitieren.
Beachtlich ist hier, dass zur Kultur und Ethik des Menschen auch sein Verhalten zur Natur gehört, und das zeigt sich eben in Verantwortung, nicht in Herrschaft. Allerdings vom Lebensrecht der Mitgeschöpfe, von Tieren ist nicht die Rede. Die originäre christliche Botschaft aber von der Liebe des Menschen zu allen Geschöpfen, wie sie Jesus vorgelebt und gepredigt hat, wird von der katholischen Kirche nicht wahrgenommen.
Im Gegensatz zur katholischen Kirche versucht die evangelische Kirche eine Vergangenheitsbewältigung und Schuldaufarbeitung mit dem „Glauberger Schuldbekenntnis“ von 1988:
„Wir bekennen vor Gott, dem Schöpfer der Tiere, und vor unsren Mitmenschen:
Wir haben als Christen versagt, weil wir in unserem Glauben die Tiere vergessen haben.
Wir waren als Theologen nicht bereit, lebensfeindlichen Tendenzen in Naturwissenschaft und Philosophie die Theologie der Schöpfung entgegenzuhalten.
Wir haben den diakonischen Auftrag Jesu verraten und unseren geringsten Brüdern, den Tieren, nicht gedient.
Wir hatten als Pfarrer Angst, Tieren in unseren Kirche und Gemeinden Raum zu geben.
Wir waren als Kirchen taub, für das Seufzen der misshandelten und ausgebeuteten Kreatur.“
Die evangelische Kirche geht detailliert und sorgfältig argumentierend auf das Thema „Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf“ in ihrem „Dokument des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der EKD“ ein. An oberster Stelle stehen die ethische Leitprinzipien Barmherzigkeit, Humanität und Gerechtigkeit für Tiere. Doch wer glaubt, die Kirche besinnt sich auch auf die oben angeführten Kriterien eines sich auf die originäre Lehre von Jesus stützendes neues Christusbild, hat sich getäuscht. Scharfe Kritik an skandalöse Zustände in der industriellen Tierhaltung, bei Tierversuchen, an der Pelztierzüchtung, in den Schlachthäusern, bei der Jagd wird geübt, moralische mildernde Verbesserungsvorschläge werden zwar gemacht, aber eine fundamentale Abkehr von der Tiernutzung, Tierernährung, der Tiertötung und damit der Anerkennung des Tieres als gleichberechtigtes Mitgeschöpf, wie es Christus fordert und ein echte christliche Kirche es verwirklichen müsste, wird nicht vollzogen.
Am Beispiel der Fleischernährung in dem vorliegenden Text erkennt man die immer noch vage Einstellung der Kirche dazu. Dass der Mensch zu den Tieren ein „Gewaltverhältnis“ hat, wird zugegeben. Auch dass ca. 350 Millionen Tiere in Deutschland jährlich ihr Leben lassen müssen, um den „exzessiven“ Fleischkonsum und Fleischgenuss der Menschen zu befriedigen, wird ebenfalls anerkannt. Eine schon sehr fortschrittliche Argumentation ist, dass Fleisch „für den gesunden erwachsenen Menschen nach heutigen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen – solange andere Eiweiß liefernde Lebensmittel ausreichend vorhanden sind – für eine gesunde und vollständige Ernährung nicht nötig ist, und dass es keine ausreichende Legitimation gibt, Tiere für Ernährungszwecke zu schlachten“.
Dass das Fleischessen heute immer mehr zu einem Überlebensproblem geworden ist, weil seine Gewinnung hochgradig umweltschädigend und zu 40 % am Klimawandel beteiligt ist, wird nicht eingegangen. Natürlich kann die Kirche ihren Gläubigen in Sachen Ernährung nichts vorschreiben, sie kann aber die historisch bekannte vegetarische Lebensweise der Urchristen in ihr Denken als erstrebenswertes hohes Ziel eines Christen hinstellen und - warum eigentlich nicht – , die Garanten des Christentums könnten mit gutem Beispiel vorangehen.
Auch wird eine „bereits als wahrscheinlich anzunehmende Schmerz- und Leidensfähigkeit als ethisch relevant“ konstatiert. Im Klartext heißt das, das Tier leidet und empfindet Schmerz, hat also offensichtlich doch eine Seele.
Damit hat endlich die Tierbiologie Einzug in das Denken der Theologen gefunden. Die Gene eines Schimpansen sind zu 97% mit denen des Menschen identisch. Das Sozialverhalten dieser menschenähnlichen Tiere ist hochentwickelt und lässt keine ethischen Entgleisungen, wie sie beim Menschen an der Tagesordnung sind, zu. Dennoch bedient sich die Tierversuchsindustrie gewissenlos dieser „Objekte“ für qualvolle Experimente.
Ein anderes Beispiel: „Delphine sind hochintelligente Wesen mit Ich-Bewusstsein, Persönlichkeit und Einfühlungsvermögen, die in komplexen sozialen Verbänden leben“, stellt der Meerestierbiologe L. Marino von der Emory University Atlanta fest. Weitere Fähigkeiten erstaunen: Delphine können sich selbst im Spiegelbild erkennen, können Werkzeuge benutzen, können eine einfache Symbolsprache erlernen. Nach heutigem Wissen bewegen sie sich auf dem geistigen Niveau eines Kleinkindes. In der antiken Mythologie galten diese Tiere als die Vermittler zwischen Menschen und Götter, als Götterboten. Ähnlich wurden in den alten Kulturen viele Tiere durch Heiligsprechung einer Art Tierschutz unterstellt wie z.B. die immer noch heiligen Kuh in Indien. Und dennoch werden heute Delphine gejagt, gegessen, und ihr Bestand ist ernsthaft bedroht wie der von vielen anderen Arten auch. Von den Kirchen hört man darüber nichts.
Die biologische (anatomische und physiologische), genetische, stammesgeschichtliche und ontologische Verwandtschaft des Menschen mit den höheren Tieren bestätigt im Grunde die ethische Einstellung, dass Tiere des Menschen „Mitgeschwister“ sind. Allerdings würde das einen Quantensprung vom wissenschaftlichen Denken zum ethisch-moralischen Empfinden erfordern, den die Theologie erst einmal vollziehen muss. Das würde sie nämlich herausfordern, sich endlich zu dem Menschen als höchstentwickeltem Schöpfungswesen mit der höchst entwickelten Ethik, das in einer kosmischen Gemeinschaft mit der Natur und seinen Lebewesen in einer sich gegenseitig dienenden, helfenden und fördernden Weise zusammenlebt, zu bekennen.
Weiterhin wird im EKD-Dokument in Frage gestellt, ob Töten von Tieren für das Freizeitvergnügen z.B. die Jagd, (wahrscheinlich ist die Treibjagd gemeint - die „Hege- und Pflegejagd“ ist erlaubt) „mit menschlichem Wunsch nach Freizeit und Gesellschaftsvergnügen rechtfertigen lässt“. Wieso, fragt sich der wahrhaftige Christ, kann man solche ethischen Zweifel am Töten von Tieren zum reinen Vergnügen haben? Kompromisse nach allen Seiten sind aber Politik, nicht Ethik. Diese bekennt sich zu einer klaren Grundhaltung f ü r d a s L e b e n und schließt keine Kompromisse, mal mehr, mal weniger für das Leben, mal mehr mal weniger Leid für Mitgeschöpfe. Das gute Beispiel: Pfarrer und Kirchenfunktionäre machen Schluss mit ihrem Jagdvergnügen.
Das einzige klare Bekenntnis im Dokument zum Nichttöten von Tieren kommt zum Ausdruck in der industriellen Haltung von Pelztieren zur Gewinnung von Pelzbekleidung. Pelze tragen wird als „nicht zurechtfertigender Luxus“ betrachtet. Wieder das gute Beispiel: Kirchenobere tragen keine Pelze.
Erfreulich ist aber, dass es bereits zahlreiche Projekte zur Umweltschonung in beiden Kirchen gibt. Zu nennen seien die Aktion „Der grüne Gockel“. Hinter diesem Logo stehen zahlreiche kirchliche Einrichtungen, die sich einem kirchliches Umweltmanagement unterziehen. Danach sollen Energie- und Wasserverbrauch und das Abfallaufkommen kontrolliert und auf 30% minimiert werden. Die ethisch-ökologische Begründung des Vorhabens ist vielversprechend: „Umweltmanagement als systematischer Weg verankert Umwelthandeln und damit unsere Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung in kirchlichen Strukturen und Arbeitsabläufen.“
Als Beispiel auf katholischer Seite steht ein ökologischer Musterbetrieb des Klosters Plankstetten in der Oberpfalz. Dazu skizziert der Bischof Gregor Hanke von Eichstätt die Zielvorstellung: „... im Auftrag Gottes eine Kulturlandschaft zu gestalten; das Land, das einem anvertraut ist, zu pflegen und zu bebauen, auch ein Sozialgefüge zu entwickeln. Der Auftrag 'Macht euch die Erde untertan' bedeutet nicht, sie auszubeuten.“

Hierzu ist längst eine Stellungnahme der Kirche fällig: 51% des Klimawandels geht auf das Konto der Tierhaltung. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch verursacht 36 Kilogramm Kohlendioxyd. (Das sind 250 Kilometer Autofahrt!) 1 Hektar produziert Rindfleisch zur Ernährung eines Menschen. 1 Hektar produziert Kartoffeln zur Ernährung von 22 Menschen. Für jeden Hamburger müssen 6 Quadratmeter Regenwald zerstört und in Weidefläche umgewandelt werden.
Ethik zu Tieren in allen großen Religionen
Alle großen nichtchristliche Religionen, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus, kennen eine Ethik zu den Tieren in verschiedensten Ausführungen als Tierrechte, Tierschutz und humanem Verhalten zu Tieren. Im Gegensatz zum Christentum finden sich in den heiligen Schriften dieser Religionen weit mehr Aussagen und solche mit größerer Intensität zur Achtung und Würde der Tiere und zum positiven Verhalten des Menschen zu ihnen als in der Bibel. Doch was in den Schriften steht und was religiöse Weise verkündeten, wurde, wie in allen Religionen, in der Praxis vergessen, nicht eingehalten, ins Gegenteil gekehrt oder zu Kultzwecken umgedeutet und missbraucht.
Erstaunlich ist, dass im alten Ägypten schon im Totenbuch ein negativiertes Gebot, die Tiere zu schonen, steht: „Ich habe kein Tier misshandelt.“ Diese hohe ethische Aussage zu Tieren ist nur dadurch zu erklären, dass die Tiere allgemein in Ägypten vergöttert wurden. Den Gottheiten waren Tiere zugeordnet, daneben gab es richtige Tiergottheiten, die göttergleich verehrt wurden z.B. die Katzengöttin Bastet. Auch wurde das Töten bestimmter (heiliger) Tiere mit der Todesstrafe geahndet.
Das alte Judentum erkennt gemäß seiner agrarisch-kulturellen Lebensweise im Tier einen zunächst rein wirtschaftlichen Wert, hinter dem sich aber eine hohe Ethik verbirgt: „Dem Ochsen, der da drischt, soll man nicht das Maul verbinden.“ Mit anderen Worten: Das Tier soll nicht daran gehindert werden beim Dreschen des Getreides von den mühselig gesammelten Körnern zu fressen; es soll auch etwas von der Ernte haben. Über den reinen Nutzen hinaus geht der Spruch Salomos: „Gerechte kennen die Seele seines Viehs“ Wenn also der Kirchenvater Augustinus seine Bibel genauer gelesen hätte, hätte er den Tieren eine Seele nicht absprechen dürfen. Luther übersetzte etwas enger: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs.“
Am Schabbat sind auch Tiere von jeglicher Arbeit befreit. Allgemein ist ein Tierhalter dem Tier gegenüber zur Fürsorge und Rücksichtnahme verpflichtet. Weiterhin finden sich zahlreiche jüdische Weise, die vom Menschen ihr Mitgefühl für das Tier forderten. Mose Kohen ben Eleasar schreibt: „Dein Erbarmen und deine Liebe entzieh keinem Wesen, das Gott geschaffen. Schlag und quäle weder Vieh noch Wild noch Geflügel noch Gewürm. Schlag keinen Hund, keine Katze und bewirf sie nicht mit Steinen, töte keine Fliege, keine Wespe, selbst nicht eine Ameise noch eine Mücke. Gib den Tieren ihre Nahrung und lerne von Gott, der alle Wesen liebt und nährt.“
All diesen Beteuerungen zur Barmherzigkeit gegenüber Tieren steht die unbarmherzige Opferung von Tieren im Alten Testament und das bis heute praktizierte Schächten (betäubungsloses Schlachten) von Schlachttieren entgegen.

Wie kann eine altehrwürdige Religion das zulassen? Rituelles Schächten im Judentum und im Islam. Das Tier wird ohne Betäubung geschlachtet.
Ähnlich ist es beim Islam. Auch diese Religion birgt in seiner heiligen Schrift Koran Zitate die Tierliebe zum Ausdruck bringen: „Und das Vieh hat er erschaffen, ihr habt an ihm Wärme und davon esset ihr. Und es ist schön für euch, wenn ihr es abends eintreibt und am Morgen austreibt; und sie tragen eure Lasten in ein Land, das ihr nicht erreichen könnt, es sei denn mit großer Mühsal. Wahrlich, euer Herr ist gütig, barmherzig. Und erschaffen hat er Pferde, Maultiere und Esel zum Reiten und zum Schmuck. Und er wird erschaffen, was ihr noch nicht kennt.“
Doch ist das rituelle Schächten und in manchen Regionen und Ländern das Tieropfer heute noch Tradition. Das Kamel genoss jahrtausendelang naturgemäß als Vehikel der Wüste hohes Ansehen, daher auch besonderen Schutz und beste Pflege. Heute dagegen als Transportmittel und Arbeitstier überflüssig geworden, ist es zum billigen Fleischlieferanten für die ärmeren Schichten herabgesunken und wird entsprechend rücksichtslos behandelt. Die urbanisierten Nomaden im Sinai pflegen zu Geschäftseröffnungen öffentlich auf der Straße Rinder zu schlachten, das gebratene Fleisch zu verteilen und die Wände des neuen Ladens zur Dämonenabwehr mit Blut zu bespritzen.

Religiöser Tierschutz: die heilige Kuh im Hinduismus
Das strenge Tötungsverbot betraf die höheren Kasten, vor allem die Kaste der Brahmanen, der Priester. Den untersten Kasten, der Paria, den Unberührbaren, unterstellte man die dauernde Beschmutzung ihres Karmas, also durften sie Tiere gelegentlich töten und essen. Die vedische Lehre von Karma, dem Prinzip von Ursache und Wirkung und der Wiedergeburt in ein anderes Lebewesen, ist religiöse Ursache des Vegetarismus, der heute von etwa 30 % der Hinduisten eingehalten wird. Das Essen von Fleisch bedeutet demnach schlechtes Karma und hindert die spirituelle Weiterentwicklung. Das Gesetzbuch Manu-Samhita beurteilt das Fleischessen besonders streng:“Keine lebenden Wesen zu töten ist die Voraussetzung zur Erlösung.“
Wiederum stehen im krassen Gegensatz dazu stehen im indischen Kulturbereich die grauenvollen Blutopfer für die Göttin Kali in Durga, bei deren Festen sich auch Menschen vor den Augen von 20 000 angereisten Gläubigen incl. Touristen jedes Jahr vor die Kultwagen werfen und sich töten lassen, um im Rad der Wiedergeburt ein Stückchen weiterzukommen. Eine seltsame Tierliebe kann man auch im Tempel Deshnoke in Rajastan erleben, wo 20 000 Ratten aus silbernen Schüsselchen mit süßem Reis gefüttert werden.
Der Buddhismus sieht nicht wie im falsch verstandenen Christentum im Menschen die Krone der Schöpfung und seine Herrscherstellung in der Natur. Er ist eine Religion, die alle Lebewesen, Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen achtet. Im Sutta-Nipata, einem buddhistischer Lehrtext, steht:
„Den Wesen allen soll man Frieden wünschen,
Glück für ihr Herz, Glück für ihr ganzes Leben, wie immer die Gestalt der Wesen ist:
Ob klein, ob groß, ob lang, ob kurz, ob stark, ob groß, ob lang, ob zart, ob sie sichtbar sind, ob unsichtbar, ob fern sie weilen oder nah uns sind,
ob sie entstanden sind, ob sie ins Dasein streben, sie alle mögen glücklich sein!
Wie ein Mutter während ihres ganzen das eine
ihr einzig Kind beschützt mit ihrem ganzen Lebens, so möge man jedwedem Wesen gegenüber
den Geist mit grenzenloser Güte füllen.“

Der Buddhismus: eine Religion des Friedens und der Liebe zu allen Geschöpfen.
Tatsächlich hat es historisch im Namen des Buddhismus nie „Heilige Kriege“ und Verfolgungen Andersdenkender gegeben. Der Buddhismus war und ist bisher d i e Friedensreligion auf der Welt, die dem Frieden am konsequentesten in Lehre und Praxis zur Wirkung verhilft. Demzufolge ist auch der Buddhist Vegetarier. Dazu das überlieferte Zitat von Buddha: „Wenn alle Wesen so nah wie unser eigenes Kind sind, wie kann ich – so wie ich bin – den Übenden erlauben, das Fleisch ihres eigenen Kindes zu essen.“
Es wird höchste Zeit, dass ein neues freies Christentum sich zum „totalen Frieden“ bekannt und ihn verwirklicht.
Die besondere Aufgabe der Christentums: Friede den Menschen, den Tieren, der Natur
Beide Kirchen ignorieren immer noch die gesamten Dokumente, die apokryphen Schriften, die außerhalb des anerkannten Kanon entdeckt und – von mutigen Verlagen - veröffentlicht wurden. Denn diese haben die historisch bereits längst bekannte urchristliche Lebensweise, die Botschaften von spirituell begabten Menschen, die allesamt das Denken und Wirken von Jesus weit über die theologisch zugelassenen Erkenntnisse und reglementierten Auslegungen hinaus vervollständigt. Einer Kirche, die den Anspruch erhebt c h r i s t l i c h zu sein, d.h. in deren Zentrum Jesus und seine echte Lehre steht, die zu predigen, zu verbreiten und zu leben ihre eigentliche Aufgabe ist, wird das nicht gerecht. In einem überarbeiteten neuen Glaubenskatechismus beider Kirchen müsste das ethisch-ökologisches Denken, der ökologische Christus und seine Liebe zu Tieren und zur Natur klaren Niederschlag finden, den Gläubigen vorbildhaft vorgeführt und von ihnen als nachstrebenswert erwartet werden.
Zahlreiche Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften haben sich Pflege der Natur sowie die Achtung vor den Tieren zum Leitbild gemacht. Um zwei Beispiele zu nennen:
Die SOS Dorfgemeinschaft Hohenroth in Unterfranken, Nähe Gemünden a. Main, betreibt Garten-und Feldbau, unterhält Handwerksbetriebe nach anthroposophisch orientierten biologisch-dynamische Grundsätzen. Ebenso ist ihre Tierhaltung für Molkereiprodukte human, wenn auch ihre Ernährung nicht durchweg rein vegetarisch ist.

Ethisch-weltanschauliche Zielsetzung der SOS Dorfgemeinschaft Hohenroth. Pflanzen und Tiere werden naturgemäß behandelt. Kultur und Natur blühen nebeneinander.
Absolut friedlich und vegetarisch leben Urchristen in Unterfranken in der Nähe von Würzburg Kreussenheim mit Natur und Tieren, die aus tierquälerischer Tierhaltung angekauft wurden, auf dem „Land des Friedens der Internationalen Gabriele-Stiftung“ zusammen.
Laut Satzung setzt sich die Internationale Gabriele-Stiftung für alle Kulturen auf der Erde für ein friedvolles Miteinander von Mensch, Natur und Tiere ein. Weltweit haben Natur und die Tiere unter dem Menschen zu leiden, und der Klimawandel führt dem Menschen die Folgen seines Raubbaus besonders drastisch vor Augen. In dem Bewusstsein, dass Mensch, Tier und Pflanzen Geschöpfe Gottes sind, leitet die Internationale Gabriele-Stiftung eine globale Wende ein: Durch Anlegen von Biotopen finden bedrohte Arten wieder Lebensräume, Pflanzen können giftfrei wachsen und Tiere erhalten einen würdigen Platz zum Leben. Die Tiere werden auch nicht als Nutztiere zum Verkauf von Molkereiprodukten gehalten.

Das Land des Friedens der Ur-Christen in Kreussenheim. Menschen und Tiere leben „gleichberechtigt“ in einem riesigen Biotopgelände zusammen. Die Tiere sind geschützt und versorgt, werden nicht (aus)genutzt, dürfen ein freies Leben führen. Hier haben sie sie ihre Würde und ihren Lebensraum zurückbekommen, der ihnen von der der Schöpfung her zusteht und die ihnen die Menschen genommen haben.
Das „Land des Friedens“ ist ein Pilotprojekt, das weltweit Beispiel gibt für ein friedvolles Miteinander aller Lebensformen im Sinne der biblischen Prophezeiung: „Es werde ein neuer Himmel und eine neue Erde.“
Sie ging um die ganze Welt: die Botschaft aus dem All für die Tiere und die Natur
Friede der Menschen untereinander, Friede mit den Tieren und mit der Natur, das ist die dringendste Aufgabe heute aller Religionen - und eines jeden Menschen.
Am 27.2.2001 wurde folgende Botschaft von einem spirituell begabten Menschen empfangen. Eine höhere Weisheit, wie sie der Mensch auf der Erde nicht hat, wurde ihm übermittelt. Was macht er damit?:
„... Hört auf, eure Mitgeschöpfe, die eure Tiergeschwister sind, zu verzehren!
Hört auf, sie zu quälen durch Tierversuche und durch Freiheitsentzug, indem ihr sie in Ställen haltet, die tierunwürdig sind! Tiere lieben die Freiheit, ebenso wie ihr, die Menschen.
Hört auf Kleinsttiere, das Bodenleben, zu töten durch künstliche Düngemittel, auch durch Exkremente und dergleichen!
Hört auf, Wälder abzuholzen, abzubrennen und den Tieren in Wald und Fluren Lebensraum zu nehmen. Gebt ihnen ihren Lebensraum, Wälder, Felder, Wiesen zurück; andernfalls wird euer Schicksal, das ihr euch selbst auferlegt habt, euer Haus und Hof und eure Ernährungsquellen wegnehmen durch weltweite Katastrophen, die ihr selbst geschaffen habt durch euer Verhalten gegen das Leben, gegen die Reiche der Natur, einschließlich der Tiere.“
Deutlicher, wissenschaftich präziser und in der Logik klarer kann diese Erkenntnis nicht gebracht werden. Wer ein Gewissen hat, begreift worum es geht – und fängt heute damit an, sein Leben danach neu einzurichten und wartet nicht auf die Institution Kirche, auf Parlamente und die Politiker.

Vision des Propheten Jesaja: Das Friedensreich. Es könnte Wirklichkeit werden, denn der Mensch hätte das Wissen, die Technik und das Geld. Die Ethik des Friedens und der Liebe steht ihm schon seit Jahrtausenden in den Schriften aller Religionen zur Verfügung.
Weiterführende Literatur:
- Carl Amery, Das Ende der Vorsehung, Die gnadenlosen Folgen des Christentums, 1947
- Hubertus Mynarek, Ökologische Religion, Ein neues Verständnis der Natur, 1968
- Franz Alt, Der ökologische Jesus, Vertrauen in die Schöpfung, 2003
- Ulf Mattiesen, Ethik, Werte und Ideale der Ägypter, Israeliten, Griechen, Römer, 2008
- Horst Herrmann, Die Vermarktung der Nächstenliebe, 1993
- www.theologe.de 7, Verheimlichte Quellen, Jesus war ein Freund der Tiere
- Martin Luther, Die Bibel
- Das ist mein Wort, Das Evangelium Jesu, 1991, Verlag Das Wort