- Die Mitschuld der Kirche am Leid der Tiere und an der Zerstörung der Natur
- Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei
- „Weltherrschaftsmentalität“ steht gegen „Schöpfungsverantwortung“
- Sicherung der Priestermacht durch Blutgesetze für Menschen und Tiere
- Die Propheten als schärfste Kritiker des blutigen Tieropferkultes
- Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus v. N. zur Natur und zu den Tieren
- Wissenschaften erschließen ernährungsphysiologische Wirkung der veg. Nahrung
- Unter Kaiser Konstantin: Kriegsdienst und Zwang zum Fleischessen für Urchristen
- Die Verketzerung und Verfolgung der Vegetarier im Mittelalter
- Herrschafts- und Nützlichkeitsdenken im Katechismus der kath. Kirche
- Aus Lusttötern werden Bewahrer der Schöpfung - Verdrehung einer Legende
- Große und Naturphilosophen und Denker in Vergangenheit und Gegenwart
- Die Lutherkirche und die Tiere
Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei - in der Praxis absegnen und mitverdienen
An zahlreichen Fest- und Feiertagen in Spanien und Italien, zu denen Tiere gequält und geopfert werden, wird an Heilige gedacht, bei nicht wenigen auch an Franz von Assisi, der ja bekanntlich Patron der Tiere war. Das zeigt ganz besonders die Absurdität und Irrationalität solcher Traditionen. Erst im Jahr 2000 wurde ein besonders übler Brauch verboten, aber nicht von der Kirche, sondern von der weltlichen Gemeindebehörde. Jugendliche warfen mit Hilfe der Priester alljährlich ein Ziege vom Kirchturm des Dorfes Manganeses de la Polvorosa, was oft den Tod zumindest schwerste Verletzungen des Tieres nach sich zog. Gemildert wurde die Quälerei auf Grund von Protesten der Tierschützer durch ein Sprungtuch, doch die Ziegen verletzten sich trotzdem.

tl_ziegeEinmal mehr zeigt die Szene, dass die katholische Kirche am heidnischen Tieropfer festhält. Zu Ehren des Dorfheiligen, zur Befriedigung der Schaulust der Dorfbewohner von Manganeses de la Polvorosa, zum Entsetzen der Tierschützer wird jedes Jahr eine Ziege vom Kirchturm hinuntergeworfen – erst seit kurzer Zeit „schützt“ sie ein Sprungtuch
Die Liste von öffentlichen schauspielartigen Tierquälereien und Tötungen von Tieren ist lang. Die weltweite Verbreitung ist groß. Die unteren Kirchenfunktionäre, Priester und kirchlichen Zuarbeiter sind oft Befürworter solcher Veranstaltungen, denn es ist viel Geld im Spiel, das die Kirche braucht. Nicht, dass die Kirche sich am Millionengeschäft der Stierkampfindustrie beteiligen würde, aber die Segnung und Weihe der Tiere und der Toreros, die Feste zu Ehren der Heiligen und zum Schaden der Tiere lassen reichlich Spenden fließen und verschaffen die nötige Popularität der Kirche und ihrer Repräsentanten im Volk. Schnell ist ein Stierkampf dann umfunktioniert von einem bloßen Volksschauspiel zu einer Benefiz-Veranstaltung, und die Einnahmen fließen in die Kirchenkassen. Die finanzielle Abhängigkeit der Priester von den einflussreichen Spendern der Stierkampfindustrie in den Gemeinden lässt die Priester es sich dreimal überlegen, ob sie sich gegen die Tötungsexzesse aussprechen.
Und wie sah es und sieht es es oben aus in der Glaubensfabrik Vatikan? Schon Papst Pius verfasste 1567 die päpstliche Bulle „De salutis gregis dominici“, in der er das Verbot dieser „....plumpen und blutigen Spektakel, die mehr vom Teufel als von Menschen erdacht...“ bei den christlichen Völker forderte. Er befahl die Exkommunizierung der Kaiser, Könige und Kardinäle, die sie weiterhin erlaubten und der Geistlichen, die einen Stierkampf besuchten. Außerdem verweigerte er den Toreros, die in einem Stierkampf umgekommen waren, die kirchliche Beerdigung.
Doch wie die Kirche mit den Ketzern verfuhr, also mit Menschen, die der Kirche den Gehorsam verweigerten, weil sie deren Glaubensregeln und Dogmen nicht anerkannten, nämlich diese zu exkommunizieren, einzusperren, zu foltern und in Massen hinzurichten, hier versagte merkwürdigerweise ihre Macht. Man ließ das Volk seine Gier nach Blut befriedigen, gab dem Ganzen einen kultisch religiösen Anstrich, dass alles zum Heil diene, dem der Seele und sicher auch dem der Kirche.
Auch Papst Johannes Paul II. bekannte sich dazu „...dass der Mensch von Gottes Händen gemacht, solidarisch mit allen anderen Lebewesen ist“ und missbilligte somit die Stierkämpfe, was ihn aber nicht hinderte auf seiner Spanienreise einen Stierkämpfer, der ihm das Capote, das Tuch des Toreros, als Geschenk überreichte, zu segnen. Natürlich nahm er das Geschenk an.
Die alttestamentliche Ethik: der Mensch ist Herr der Natur - die Kreatur ist ihm untertan
Für das alte Judentum und spätere Christentum von zentraler Bedeutung ist der Schöpfungsmythos im Alten Testament. Hier ist es vor allem ein Zitat, das richtungsweisend für die Lebensweise und das Verhalten der Menschen zur Schöpfung, zu seinesgleichen und zur Natur und den Tieren ist: Im ersten Schöpfungsbericht, 1 Mose 28 „Und Gott segnete sie (Mann und Frau, Adam und Eva) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch u n t e r t a n und h e r r s c h e t (in der kirchlichen Einheitsübersetzung heißt es „...und unterwerft sie euch“) über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
Hier läge der Schlüssel für das Weltherrschertum der Menschen, besonders der Christen, der sie ermächtigt, die Natur total auszubeuten, sagen kritische Geister unserer Zeit. Gott selbst habe es dem Menschen befohlen, und die „Heilige Schrift“, die von Gott selbst den Menschen, so glaubt die Kirche, „diktiert“ worden ist, dient als Rechtfertigung. Carl Amery ist einer der schärfsten Verfechter dieser Deutung in seinem Buch „Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums“. Die heute zur Stellungnahme herausgeforderte Kirche setzt mit einer kunstgerechten Exegese dagegen: Der Begriff „herrschen“ bedeute im Hebräischen „verantworten“ im Sinne von „bewahren“. Der Mensch sei eine Art Stadthalter, ein von Gott eingesetzter Verwalter der Schöpfung, wie es auch in dem Zitat des zweiten Schöpfungsberichtes in 1 Mose 2,15 heißt: „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“
Wie ging die Kirche, gingen die Christen aber mit der Natur und der Kreatur in Laufe der Geschichte um?