- Die Mitschuld der Kirche am Leid der Tiere und an der Zerstörung der Natur
- Das Lavieren der Kirche: aus theologischer Sicht gegen Tierquälerei
- „Weltherrschaftsmentalität“ steht gegen „Schöpfungsverantwortung“
- Sicherung der Priestermacht durch Blutgesetze für Menschen und Tiere
- Die Propheten als schärfste Kritiker des blutigen Tieropferkultes
- Die von der Kirche verheimlichte Liebe des Jesus v. N. zur Natur und zu den Tieren
- Wissenschaften erschließen ernährungsphysiologische Wirkung der veg. Nahrung
- Unter Kaiser Konstantin: Kriegsdienst und Zwang zum Fleischessen für Urchristen
- Die Verketzerung und Verfolgung der Vegetarier im Mittelalter
- Herrschafts- und Nützlichkeitsdenken im Katechismus der kath. Kirche
- Aus Lusttötern werden Bewahrer der Schöpfung - Verdrehung einer Legende
- Große und Naturphilosophen und Denker in Vergangenheit und Gegenwart
- Die Lutherkirche und die Tiere
„Es lebe der heilige Firmin!“ - Stier- und Menschenquälerei „zu Ehren“ eines Heiligen
„Es lebe der heilige Firmin!“ ertönt jedes Jahr am 6. Juli ein gewaltiger Ruf und Hunderte weiß-rot gekleidete Männer, nur mit einer Zeitung „bewaffnet“, lassen sich von sechs „Kampfstieren“ durch die Gassen der nordspanischen Stadt Pamplona jagen. Mit Schaum vor dem Maul und blutunterlaufenen Augen in höchster Erregung und panischer Angst greifen die Tiere alles an, was sich vor ihnen bewegt, um ihre Quäler loszuwerden. Die „Fiesta“ bietet den Zuschauern 204 Stunden Tierhatz, das sind 8 Tage „Stierquälerei“ (Süddeutsche Zeitung) mit anschließender Tötung von 48 Stieren in der Arena durch professionelle Toreros, massenweise Alkoholexzesse, zahlreiche Leicht- und Schwerverletzte und immer wieder Todesfälle. Bis zu einer Million Menschen, Einheimische wie Touristen aus aller Welt, berauschen sich an dieser „Fiesta des Horrors“ und füllen die Kassen der Tourismusbranche mit Millionen Euro. Und das alles zu Ehren des Heiligen Firmin.

Tierquälerei zu Ehren eines Heiligen, der weder für Menschen noch für Tiere etwas Wertvolles geleistet hat
Wer ist dieser Heilige, dem diese Ehren zuteil werden? Das Kirchenlexikon nennt einen Firminus, den Märtyrer (geb. ca 272 in Pamplona, gest. ca. 303 in Amiens). Er war Sohn eines römischen Beamten in Pamplona, wurde zum Christentum bekehrt und berühmt als Missionsprediger. In der Zeit des römischen Kaisers Diokletian soll er der Legende nach verfolgt, eingekerkert, gegeißelt und als Märtyrer enthauptet worden sein. Seine Reliquien befinden sich heute noch in Pamplona in der ihm geweihten Kapelle San Fermin. Von guten Taten und vorbildlichem Leben nach den christlichen Geboten ist nichts bekannt. Mit Tieren hatte er auch nichts zu tun. Zur Erinnerung an die Enthauptung tragen die Teilnehmer des Stierrennens, wie das grausame Spektakel verharmlosend genannt wird, ein rotes Halstuch. Die rationale Begründung, was das mit dem heiligen Firmin zu tun hat und warum Stiere von Menschen tagelang gejagt und dann ermordet werden, bleibt die Urheberin dieses Kultes, die katholische Kirche, schuldig, hat sie nie erklären können und will sie gar nicht erklären. Eine Deutung führt in jedem Fall ins Irrationale, ja ins Absurde, denn Vernunft und Glaube pflegen in der Religion oft weit auseinanderzuklaffen. Vielleicht war die ursprüngliche Absicht von Priestern oder fanatischen Gläubigen bei Einführung des Kultes, dass an Tieren das historische Martyrium an dem Heiligen als Schau vorgeführt werden soll. Vielleicht soll auch das Martyrium den Gläubigen vorgeführt werden, wenn wirklich einer von ihnen mit den Hörnern aufgespießt oder durch sie verletzt wird. Der Leidende hat dann das „Glück“, das Martyrium „nacherleben“ zu dürfen. Pech hat er allerdings, wenn er an den Verletzungen stirbt. Oder vielleicht ist es doch Glück, das Glück nämlich, in die ewige Seligkeit zu gelangen?
Das archaische Blutopfer von Tieren als Ursprung vieler kirchlicher Tiertötungsbräuche
Wie alle derartigen blutigen Tierrituale, und deren gibt es noch zahlreiche in der katholischen Kirche, sind es adaptierte archaische heidnisch-magische Opferkulte, von denen die katholische Kirche nicht lassen will. Die Blutmystik hat schon immer die Menschen beeindruckt und begeistert und ist ein effektives Mittel, Gläubige an die Religion zu binden.
Zwar wurde im Christentum das heidnische Tieropfer, das im Alten Testament ein heiliges Ritual von zentraler Bedeutung war, in der Zeit Konstantins des Großen verboten, doch schwingt das religöse Motiv bei den Festspielen und -bräuchen, bei denen Tiere gequält und getötet werden, immer noch mit, gepaart mit der puren Lust an Grausamkeit beim absurden Kräftemessen Tier – Mensch. Das sportliche Vergnügen, die etablierte Festindustrie mit Tausenden von Arbeitsplätzen und Profiten in Millionenhöhe, das florierende Tourismusgeschäft, die gewaltigen Spendenflüsse und eine populäre, festefördernde Lokalpolitik haben den ursprünglichen psychoreligiösen und theologischen Hintergrund solcher Bluttraditionen völlig verdrängt.
Auf der Gegenseite wird aber auch der Ruf nach Tierschutz, nach Verboten oder Entschärfungen von Grausamkeiten immer lauter, und aufklärende Kampagnen, die meist aus der Bevölkerung kommen, weniger von den Behörden, sind immer häufiger zu Gange. Kürzlich stimmten die Abgeordneten des katalanische Regionalparlaments für die Abschaffung der Stierkämpfe in ihrer Region. Die Parlamentsausschüsse müssen noch zustimmen.
Wie steht die katholische Kirche , in deren Glaubensgebäude die Heiligen – obwohl das erste Gebot bekanntlich neben Gott andere Götter verbietet - ihren festen Platz haben, zu den grausamen „Tierspielbräuchen“ zu Ehren von Heiligen?