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Chlodwig der germanische Konstantin

Die (katholisch getaufte) Königin ließ nicht ab, ihn (Chlodwig) zu drängen, dass er den wahren Gott erkenne und ablasse von den Götzen. Aber auf keine Weise konnte er zum Glauben bekehrt werden, bis er einmal mit den Alamannen in einen Krieg geriet. Chlodwigs Heer war nahe daran, völlig vernichtet zu werden. Als er das sah, sprach er: Jesus Christus, gewährst du mir jetzt den Sieg über diese meine Feinde, so will ich an dich glauben und mich taufen lassen auf deinen Namen. Denn ich hab meine Götter angerufen, mir zu helfen.

Als er dies gesagt hatte, wandten sich die Alamannen und begannen zu fliehen. Darauf ging Chlodwig, ein neuer Konstantin, zum Taufbad hin.

berichtet der Kronzeuge der Epoche der ersten Frankenkönige, Bischof Gregor von Tours (573 - 594).

Frappierend erinnert dieses Ereignis an das Bekehrungsevent des Konstantin d. Großen vor der Schlacht gegen seinen Kontrahenten Maxentius, worüber wir im letzten Heft berichtet haben. Allerdings liegt ein gewichtiger Unterschied vor in der Dramatik des Ereignisses: Der römische Konstantin war nicht direkt in Not, die Schlacht stand erst bevor, als Konstantin seinem Traumbild Folge leistete und Christus zum Schlachtenlenker erkor. Chlodwig, der fränkische König, hingegen war in „Not“, natürlich nicht er selbst, aber seine Sache drohte schief zu laufen, nämlich die Niederwerfung der Alamannen und ihr Hineinzwingen in das im Werden begriffene Großreich der Franken. Mit Krieg, Raub, Mord, Intrigen und Bündnisbrüche – den Franken habe zum Freund – nicht zum Nachbarn hieß es damals schon – hatte sich Chlodwig bereits widerspenstige germanische Stämme und vor allem die Gallorömer unter Syagrius unterworfen und ihre Gebiete einverleibt. Nun drohte die Schlacht gegen die Alamannen zu kippen. Laut Bericht des Bischofs Gregor von Tours, dem bedeutendsten Gewährsmann unter den Chronisten aus der Frühzeit der Franken - als Christ besonders glaubwürdig - soll Chlodwig „mit Tränen“ Christus angefleht haben. Hier sei schon die Frage gestattet: Tränen bei einem der brutalsten Herrscher der Franken?

In jedem Falle hatte der von Gregor erfundene Christus ein Erbarmen mit dem zukünftigen Anhänger, ordnete ein Blutbad unter den Alamannen an und tippte die Schicksalswaage des Chlodwig auf Sieg. Chlodwig bedankte sich bald darauf mit dem Taufgelöbnis und wurde eifriger katholik. Hierbei sei bemerkt, dass man zwischen christlich und katholisch genau unterscheiden muss, denn christlich kann niemals einer sein, der seinen Mitbrüdern ein Blutbad bereitet, wohl aber katholisch, denn die katholische Kirche hat seit Konstantin den Krieg gutgeheißen und zum Instrument ihrer Glaubenspolitik gemacht. Abweichend von Chlodwig hat sich Konstantin bis zum Tod nicht zum katholischen Christentum bekennen wollte, schwankte zwischen Heidentum und Katholizismus hin- und her und entschloss sich sozusagen erst in letzter Minute - für Katholiken eine Entscheidung zwischen Himmel und Hölle – zur Taufe. Was aber wiederum beide Herrscher gemeinsam haben: Sie waren beide alles andere als echt christlich; im Lichte der Menschenrechte, die ja christlichen Ursprungs sind, waren sie finstere Schwerstverbrecher auf dem Thron. Dennoch haben sie beide das Christentum – wohlgemerkt: das katholische – heimisch gemacht, der eine als Begründer des katholisch Abendlandes, der andere als Grundsteinleger des katholisch Westens und des katholischen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

„Chlodwig - ein neuer Konstantin“, schreibt Gregor von Tours und der Historiker Bodmer (katholisch) setzt noch hinzu, dass er geradezu dessen „Herrscherideal“ verkörpert habe. Über Konstantins ideale Herrschergebaren berichteten wir.

Befohlene Weisung der Kirche zu Chlodwigs Taufe: Krieg gegen Ungläubige

Mit enormen Pomp und „paradiesischen Wohlgerüchen“ wurde die Taufe Chlodwigs im Jahre 507 (andere Daten 498, 499, 506, die Wissenschaft ist sich hier nicht sicher) in Reims gefeiert. Mit ihm gelobten auch 3000 Franken, sehr wahrscheinlich Krieger, für ihren neuen Gott zu kämpfen. Zwei Heilige, die Bischöfe Remigius und Avitus gaben dem Getauften unmissverständliche Weisungen mit auf den Weg. Remigius legte ihm ans Herz: „Beuge still deinen Nacken, bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast“, und Avitus empfahl: „....die Glaubenssaat unter die ferner wohnenden Stämme auszustreuen, frisch und ohne Scheu“, damit ihm „das weiche Taufgewand die Kraft der starren Waffen mehre.“ Im Klartext heißt das Vermehrung der Macht und zwar durch Missionierung der Heiden, also Gewalt und Krieg gegen Ungläubige - ein bekanntes Thema bei Konstantin. Der Kirche und seiner eigenen Herrschaft zum Heil, Wohl und Nutzen sollte der für die Kirche neu gewonnene Chlodwig die Heiden missionieren und die Ungläubigen verfolgen, dabei hatte die Kirche besonders die Arianerchristen im Auge.

Nicht Überzeugung, sondern politisches Kalkül war die Taufe Chlodwigs: Der König schloss mit der Großmacht katholische Kirche das Bündnis von Thron und Altar. Gallien und Germanien wurden katholisch, ein gewaltiger und gewalttätiger Missionierungsfeldzug begann.

Nicht Überzeugung, sondern politisches Kalkül war die Taufe Chlodwigs: Der König schloss mit der Großmacht katholische Kirche das Bündnis von Thron und Altar. Gallien und Germanien wurden katholisch, ein gewaltiger und gewalttätiger Missionierungsfeldzug begann.

Wer waren die Arianer, gegen die so unbarmherzig vorgegangen wurde? Sie beriefen sich auf ihren Gründer, den Bischof Arius, der das konstantinische Dogma der Vielgötterei der katholischen Kirche nicht anerkannte: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Für sie war Gott der Vater und Christus sein Sohn auf Erden, beide heilig und eines Geistes. Schon auf dem Konzil von Nicaea wurden daher die Arianer zu Ketzern erklärt. Die meisten germanischen Stämme waren arianisch – ein Werk des arianischen Gotenbischof Wulfilas. Für die sich ausbreitende katholische Kirche war der Arianismus ein Stachel im Fleisch, und um ihre gefährlichsten Konkurrenten zu verdrängen, ja zu vernichten, brauchten sie die politische und militärische Gewalt der fränkischen Herrscher; und der fränkische Herrscher brauchte im Gegenzug die gut funktionierende Organisation und Infrastruktur der Kirche in Gallien und Germanien für den Ausbau des Reiches. Wieder einmal wurde das seit Konstantin bewährte Bündnis zwischen Königtum und Episkopat geschlossen, winkten denn der Geistlichkeit reiche Kriegsbeute, Stiftungen, Länder und Posten – wie einst bei Konstantin. Somit war der „heilige“ und „wundersame“ Vorgang der Bekehrung und der Taufe „des auserwählten Werkzeug Gottes“, Chlodwig, nichts anderes als kalte religions- und staatspolitische Kalkulation von den Machthabern Kirche und Staat. Anders sieht das beispielsweise der katholische Theologen Algermissen für den „nicht Zwang und Schwertmorden, sondern religiöse Überzeugung einen so klugen und tapferen Helden wie Chlodwig zur Verwerfung seines heiligen Irrwahns und zur freien Annahme der Lehre des Gekreuzigten“ bewogen haben soll.

Zur großen Enttäuschung der Reichs- und Kirchenstrategen und natürlich auch zum Leidwesen der Kirchengeschichtler, die dieses historische Ereignis gebührend unterstrichen haben wollten, nahm der damalige Papst Anastasius von dem Ereignis keine Notiz. Er soll sogar eine Abneigung gegen den wilden Bauernfürsten der Franken gehabt haben. Doch ein gewiefter Kirchenmann im 17. Jh., Abbéé Vigier, holte das nach, indem er kurzerhand einen Glückwunschbrief vom Papst an Chlodwig fälschte und damit die Christenheit erfreute.

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